BerufspraXisklassen: Praxisnaher Übergang von der Schule in den Beruf

Mit dem Ende der 9. oder 10. Klasse, manchmal auch im Laufe der gymnasialen Oberstufe, stehen viele Jugendliche vor der Frage: Was kommt jetzt? Wie gestalte ich meine Zukunft?

Die Erwartungshaltung an sie ist sehr groß: Sollen sie eine weiterführende Schule besuchen, obwohl sie nach neun, zehn oder elf Jahren eigentlich genug von der Schule haben?

Oder sollen sie sich auf einen Ausbildungsberuf festlegen, obwohl sie noch gar nicht genug berufliche Erfahrungen sammeln konnten?

Oft führt der daraus entstehende Erwartungsdruck zum Scheitern in der weiterführenden Schule, zu erfolglosen Bewerbungen und zeitfressenden Übergangsmaßnahmen. Frustration und Perspektivlosigkeit sind häufig die Folge.

Perspektive BerufspraXisklassen

In den BerufspraXisklassen haben Jugendliche die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren und sich eine langfristige Zielperspektive mit hohem Praxisbezug aufzubauen.

Ein Jahr lang besuchen sie an zwei Tagen in der Woche das Berufskolleg. An den anderen drei Tagen in der Woche arbeiten sie in einem von der Schule begleiteten Praktikum. So bekommen sie detaillierte Einblicke in betriebliche Abläufe und können entscheiden, ob sie sich für eine Ausbildung bewerben oder für ihren Wunschberuf schulisch weiter qualifizieren.

Das Praktikum: Gewinn für beide Seiten

Das selbstgewählte Praktikum bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre eigenen Stärken zu entdecken und zu testen. So kommen sie zu einer realistischen Einschätzung, ob ein Berufsbild ihren Fähigkeiten entspricht. Im Laufe des Schuljahres können die Jugendlichen ihr Praktikum auch wechseln, um neue – auch nicht-kaufmännische – Berufsfelder auszuprobieren oder weitere beruflichen Erfahrungen in anderen Betrieben zu sammeln. Die tägliche Arbeit im Betrieb ist gleichzeitig eine stetige Vor-Ort-Bewerbung. Die Jugendlichen zeigen, dass auf sie Verlass ist, dass sie Verantwortung übernehmen können und wollen, dass sie freundlich zu Kunden und Belegschaft sind, kurz: dass sie ihrem Betrieb in vielfacher Hinsicht von Nutzen sind.

Gewinn für Betriebe

Betriebe, die sich für Praktikanten aus den BerufspraXisklassen entscheiden, haben die gute Aussicht, auf engagierte Jugendliche zu treffen, die sie aus dem Praktikum direkt in die Ausbildung übernehmen können. Der Vorteil: Die Jugendlichen sind eingearbeitet und kennen den Betrieb. Und viele bleiben den Betrieben nach der Ausbildung als zuverlässige und loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten.

Die Schule: Ganzheitliche Begleitung aus einer Hand

Als vollzeitschulischer Bildungsgang begleiten die BerufspraXisklassen ihre Schülerinnen und Schüler sowohl im Unterricht als auch im Praktikum. Der schulische Unterricht umfasst die Fächer Mathematik und Englisch; Inhalte aus Fachtheorie (Wirtschaft), Deutsch und Politik werden in verschiedenen kammerzertifizierten Modulen fächerübergreifend unterrichtet. Schülerinnen und Schüler gehen hier in Lernfeldern virtuell durch die Aufgabenbereiche eines kaufmännischen Betriebes und erhalten so den theoretischen Unterbau für die Erfahrungen aus dem Praktikum.

Individuelle Beratung und Begleitung

Alle Lehrkräfte des Bildungsgangs haben Zusatzqualifikationen in der Beratungsarbeit und/oder verfügen über eigene Berufserfahrung in der freien Wirtschaft. In jeder BerufspraXisklasse sind zwei Lehrkräfte als Klassenleitung eingesetzt, die neben dem Unterricht acht Wochenstunden Beratungszeit zur Verfügung haben. So ist ausreichend Zeit, in individuellen Gesprächen auf die Situation der Jugendlichen in Schule, Praktikum und auch dem privaten Umfeld einzugehen. Außerdem besuchen die Lehrkräfte regelmäßig die Praktikumsbetriebe und besprechen die dort gewonnenen Eindrücke mit den Jugendlichen.

Anmeldung und Einstieg

In den BerufspraXisklassen können sich alle Jugendlichen anmelden, die nach Abschluss der Sekundarstufe I oder im Laufe der Sekundarstufe II Unterstützung bei einem praxisnahen Übergang von der Schule in den Beruf suchen. Jugendliche ohne Schulabschluss können am Ende des Schuljahres den Hauptschulabschluss erwerben.

Für die Anmeldung ist ein persönliches Beratungsgespräch notwendig, in dem die Beraterinnen und Berater der BerufspraXisklassen mit den Jugendlichen die persönlichen Stärken und Zielsetzungen klären. Von Februar bis August können Jugendliche sich für das jeweils im Sommer beginnende neue Schuljahr anmelden und dann bis zum Beginn des Unterrichts ein Praktikum suchen.

Der Einstieg in die BerufspraXisklassen ist aber auch im laufenden Schuljahr möglich, sofern in den Klassen Plätze verfügbar sind. Voraussetzung für eine Aufnahme ist dann, dass die Jugendlichen zum Zeitpunkt der Anmeldung ein Praktikum nachweisen können.